Verstetigung: Energiesparen etablieren

Wie bleiben Energiespar-Aktionen keine Eintagsfliegen, sondern können im Unternehmen in den Arbeitsalltag integriert werden? „Verstetigung“ gehört zu den schwierigsten Aufgaben beim Energiesparen. Vor allem deshalb, weil es keine Patentrezepte gibt – denn jedes Unternehmen hat individuelle Voraussetzungen und eigene Themenschwerpunkte.

Laura Schauseil, Auszubildende bei der SBG Dresden, setzt ihr Energiespar-Projekt in die Tat um: An einem Lichtschalter bringt sie den ersten Aufkleber „100 % erneuerbare Energiequellen“ an.

Best Practice Energiesparcup: Bei der Sächsischen Bildungsgesellschaft Dresden stärken Azubis die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Unternehmen.

Zur Ausbildung eines Physiklaboranten gehört es, mit verschiedensten Messtechniken umzugehen. Das hat auf den ersten Blick nicht viel mit Energiesparen zu tun. Es sei denn, die Azubis lernen bei der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden mbH SBG. Denn dort entstehen selbst aus Alltäglichem interessante Azubi-Energiespar-Projekte. „Dazu gehören zwei Punkte. Wir wollen so wenig Strom wie möglich verbrauchen. Und wir wollen den Stromverbrauch messen, um daraus konkrete Handlungen abzuleiten“, sagt Uta Lichtenstein, Leiterin des Arbeitskreises Energie bei der SBG. „Also haben die Azubis den Umgang mit Messtechnik gelernt, in dem sie in unseren Büros den Standby-Verbrauch der Computer gemessen und analysiert haben. Dabei stellte sich heraus, dass es sich lohnt, abschaltbare Steckdosenleisten zu nutzen.“ Doch das war nur der erste Schritt. „Messen und Daten auswerten ist wichtig. Das ist Teil der Ausbildung. Aber dann muss immer auch gehandelt werden“, erklärt Uta Lichtenstein. „Die Auszubildenden müssen sehen, dass das was sie lernen, auch eine Wirkung hat. Deshalb haben sie anschließend überall im Unternehmen abschaltbare Steckerleisten installiert. Auch im Büro des Geschäftsführers. Das motiviert natürlich für weitere Projekte zum Energiesparen.“ 

Über die SBG Dresden

Der Bildungsstandort in Dresden-Johannstadt ist seit mehr als 65 Jahren Bildungsdienstleister der deutschen Chemiewirtschaft und hat seinen Ursprung in der Farben- und Lackindustrie der ehemaligen DDR. Daraus entstand 1991 die Sächsische Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden mbH, ein gemeinnütziger, privatwirtschaftlich organisierter freier Bildungsträger.

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Azubis haben gute Ideen für Etablierung von Sparmaßnahmen

Die SBG übernimmt als gemeinnütziger Bildungsdienstleister die überbetriebliche, praktische Ausbildung für Ausbildungsunternehmen. Etwa 100 Lehrlinge beginnen jedes Jahr ihre Ausbildung bei der SBG – und tragen ihr Energiesparwissen dann in die eigenen Betriebe weiter. Die Erfahrung zeigt: Auszubildende sind ein guter Multiplikator für das Thema Energiesparen. „Azubis haben einen frischen Blick, gute Ideen und wollen sich engagieren“, sagt Uta Lichtenstein. Wichtig sei, die Auszubildenden mit ihren Vorstellungen und ihrer Kritik ernst zu nehmen und sie zu unterstützen. Nur dann können sie gegenüber ihren Kollegen im Unternehmen selbstbewusst auftreten, Energiespartipps weitergeben und andere motivieren.

Verstetigung heißt: Langfristige Strukturen schaffen

Seit der Gründung der SBG Anfang der 1990er Jahre wurde in den berufspädagogischen Konzepten des Unternehmens darauf geachtet, dass Auszubildende lernen, ihren Ressourcenverbrauch zu minimieren. Mit der EMAS-Zertifizierung im Jahr 2002 begann die SBG, klare Strukturen für Nachhaltigkeit im Unternehmen zu entwickeln. Seitdem wird jedes Jahr eine Umwelterklärung veröffentlicht und alle zwei Jahre ein Energie-Audit durchgeführt, in dem konkrete Sparziele für das Unternehmen festgelegt werden. Solche Projekte und Initiativen führten 2014 zur Auszeichnung mit dem bedeutendsten Umweltpreis der Europäischen Kommission, dem EMAS-Award 2014 für das nachhaltige Berufsbildungskonzept der SBG.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Verstetigung war die Gründung des Arbeitskreises Energie im Jahr 2011. Eine seiner Aufgaben: Die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit an möglichst vielen Stellen ganz praktisch in die Ausbildung zu integrieren. „Wir haben zum Beispiel eine Wärmepumpenanlage im Haus. Es wäre verschenktes Potenzial, wenn die einfach nur Wärme produziert“, erklärt Uta Lichtenstein. „Wir nutzen diese hocheffiziente Technik auch, um unseren Azubis zu vermitteln, welche Prozesse da ablaufen. Unsere Anlage heizt und bildet also.“

Azubis werden Energie-Scouts

Bei der Mittelstandsinitiative „Energiewende und Klimaschutz“ können sich Azubis zu „Energie-Scouts“ qualifizieren lassen. Dabei lernen sie, wie sie in ihren Betrieben Sparpotenziale erkennen – und so zu einem geringeren Energieverbrauch beitragen können.

Zum Projekt „Energie-Scouts“

Wichtiger Faktor: Die Unterstützung der Geschäftsführung

Heute werden die Azubis bei der SBG bereits in der Einführungswoche mit dem Thema Energiesparen vertraut gemacht. Auf einer jährlichen Umweltkonferenz haben sie zudem die Chance, ihre Projekte zu präsentieren. „Wer Energiesparen im Unternehmen etablieren will, muss das gut organisieren und festschreiben. Sowohl die personellen Strukturen, als auch die inhaltlichen Zielrichtungen müssen definiert sein“, sagt Uta Lichtenstein. „Und vor allem: Auch der Geschäftsleitung muss das Thema am Herzen liegen. Nimmt sie das Energiesparen wichtig, stärkt das automatisch die Wahrnehmung bei den Mitarbeitern und Azubis.“

Bei der SBG zieht der Geschäftsführer mit: Als diesem auffiel, dass nur wenige Auszubildende wussten, dass im Unternehmen zertifizierter Ökostrom verwendet wird, entstand daraus direkt ein neues Azubi-Projekt. Im Rahmen einer der jährlichen Umweltweltkonferenzen gab es einen spielerischen Ideenwettbewerb unter den Auszubildenden. Das Gewinner-Konzept ist längst in die Tat umgesetzt: Jetzt kleben auf allen Schaltern und Steckdosen kleine Sticker mit der Aufschrift „100% erneuerbare Energiequellen“.